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News Story

Sounds der Focusrite Studio Console

Erinnerungen an die Musik, die mit der geliebten Aufnahmekonsole von Focusrite komponiert wurde.

Die Focusrite Studio Console war eine echte Seltenheit: Nur 10 Geräte wurden insgesamt hergestellt und diese fanden ihren Weg in einige der besten Studios der Welt, von London und Los Angeles über Tokio bis nach Südafrika. Der raumfüllende Klang der Focusrite Studio Console wurde auf zahllosen Aufnahmen verewigt – von Demotapes bis hin zu Chartstürmern. Hier erinnern wir uns an ausgewählte Aufnahmen, zu denen die Focusrite-Konsole beigetragen hat.

Lucky Dube — Victims (1993)

Lucky Dube war einer der größten Reggae-Künstler Südafrikas, der 2007 bei einem Carjacking-Vorfall tragischerweise ums Leben kam. Er nahm das Album Victims 1993 bei BOP in Südafrika auf, wo auch die größte jemals hergestellte Focusrite Studio Console stand (zudem die einzige mit Innenverkabelung aus Silber- statt Kupferkabel). Schalk Janse Van Rensburg, Toningenieur bei BOP Studios, erinnert sich an die Sessions. „Lucky Dube war einer der nettesten Menschen, deren Bekanntschaft ich je machen durfte. Ich weiß noch, wie er mir immer die Arme um den Hals schlang, wenn er etwas fragen wollte. Dann sagte er ,Hey Rasta!‘ und stellte seine Frage. Sein langjähriger Toningenieur David Segal mischte alle seine Alben ab und schuf den unverkennbaren Snare-Sound von Lucky Dube.“

The Black Crowes — Amorica (1994)

Jack Joseph Puig produzierte und mischte das dritte Album von The Black Crowes, Amorica, welches 1994 erschien. Nach dem gewaltigen Erfolg der ersten beiden Alben der Band wurde Amorica von Kritikern gelobt, die das Album in Sachen Sound als gezielten Sprung nach vorn sahen. Das Tracking erfolgte bei Sound City in LA, gemischt wurde im Ocean Way Studio A. Das Ergebnis ist ein aggressiver Sound, der nur so vor Energie strotzt. In seinen 15 Jahren im Studio A bei Ocean Way – natürlich immer vor der Focusrite-Konsole – trug Jack Joseph Puig dazu bei, eine ganze Epoche der Popmusik zu prägen. Künstler wie Beck, Hole, Counting Crows, Sheryl Crow, Stereophonics, John Mayer, Goo Goo Dolls und No Doubt arbeiteten alle mit JJP im Ocean Way Studio A in einer Zeit zusammen, als die Labels noch Macht hatten und die Studio-Budgets groß waren. Puig nutzte die Konsole für alles Mögliche: vom Full-Tracking über Overdubs bis hin zu ganzen Album-Mixes. „Ich war ab '94 oder '95 [in Studio A] dabei und das ging einfach 15 Jahre so weiter. Es kam Schlag auf Schlag und ich habe den Raum gar nicht mehr verlassen!“

Ocean Way Studio

Ocean Way Studio A, during Jack Joseph Puig’s 15-year tenure in the room. (Photo: David Goggin.)

The South African National Chamber Orchestra (1994-95)

Schalk Janse Van Rensberg erinnert sich an Produktionen mit Peter Hamblin, Generaldirektor des South African National Chamber Orchestra. „Ich weiß noch, wie Peter mich das erste Mal darauf ansprach, ob ich Lust hätte, eine der Produktionen des Orchesters zu übernehmen. Ich war vielleicht 19 oder 20 damals und hatte noch nie ein ganzes Klassik-Ensemble aufgenommen – aber ich war begeistert von der Idee und dachte mir ,Fake it 'til you make it!‘. Ich erinnere mich noch, wie nervös ich war, als die ganzen Musiker am Morgen der ersten Session ankamen. Ich hatte keine Ahnung, wie ich das Orchester mikrofonieren sollte, also blieb ich einfach ruhig, während die Musiker ihre Instrumente aufbauten. Ich sagte Peter, dass ich mich am ersten Tag um die Mikrofonplatzierung kümmern würde und wir mit dem Tracking anfangen könnten, wenn er mit dem Klang im Regieraum zufrieden wäre. Als das Orchester Händels ,Die Ankunft der Königin von Saba‘ zu spielen begann, füllte der Klang den gewaltigen Aufnahmeraum auf eine wunderschöne Weise. Alles klang so wunderbar ausgeglichen, es war einfach spektakulär! Es gab nur einen Weg, die Aufnahmen zu machen: Ich musste alles genauso erfassen, wie ich es hörte und erlebte. Ich ging durch den Aufnahmeraum, hörte genau hin und stellte überall dort Mikrofone auf, wo der Klang besonders schön war. Ich erinnere mich noch, wie ich an den Oboen vorbeiging und mir dachte, dass ich den Klang der Tasteninstrumente an einer bestimmten Stelle im Stück einfangen musste, also stellte ich einige Stützmikrofone auf. In der Regie schaltete ich nacheinander die Mikrofone ein und zog Stück für Stück die Pegel auf – ich erlebte genau das, was ich im Aufnahmeraum gehört hatte. Als ich alle Mikrofone eingeschaltet und grob abgestimmt hatte, rief Peter von hinten: ,Nichts anfassen … was immer du da gemacht hast, es ist perfekt!‘ Und von da an legten wir mit dem Tracking los. An diesem ersten Tag habe ich mich in die Focusrite-Konsole verliebt; sie nahm genau das auf, was ich im Aufnahmeraum hörte. Ich konnte die Melodie und die Schwingung ohne Nachbearbeitung einfangen. Voll, offen, kristallklar, dynamisch, einfach nur spektakulär. Die Aufnahmen mit dem Orchester in diesen Sessions haben meine Arbeitsweise für immer geprägt. Nie wieder habe ich Mikrofone so aufgestellt, wie es Konventionen sonst vorschreiben würden. Ich gehe ich immer erst durch den Aufnahmeraum, höre mir an, was passiert und überlege mir dann, wo ich meine Mikrofone aufstelle.“

Koffi Olomide — Attentat (1999)

Die BOP Studios in Südafrika wurden für das Tracking des Albums Attentat des kongolesischen Künstlers Koffi Olomide gebucht. Schalk Janse Van Rensburg und sein Toningenieur-Kollege Neelan Parshotam leiteten die Session in dem riesigen Stadtrandstudio. Er erinnert sich: „Da kam diese Band mit 22 Musikern für eine 3-wöchige Session und kein einziger von ihnen sprach Englisch, nur Französisch. Es dauerte nicht lange und wir wussten genau, was ein Künstler wollte, wenn man auf ihn und seine Reaktionen achtete. Das Nervenaufreibende daran war, dass es nach dem Tastendruck kein Zurück mehr gab – die Aufnahmen erfolgten im destruktiven Verfahren, auf Tonband! Dank der Focusrite-Konsole klappte alles hervorragend und es entstand ein Album mit wundervollem Klang. In dieser Session haben wir gelernt, dass Musik eine wirklich universelle Sprache ist, denn alle von uns verstanden mit nur wenigen Worten, was das Ziel war.“ 

Tricky — Blowback (2001)

Jack Joseph Puig mischte das Album Blowback von Tricky im Ocean Way Studio A und denkt gern an die Reaktion des Künstlers zurück, als dieser das Ergebnis zum ersten Mal über den Monitor hörte. „Tricky kam rein und ich spielte für ihn den Mix ab“, erinnert sich Puig. „Er trat ein Stück von der Konsole zurück, blickte mich an und sagte: ,Die Leute sagen mir immer, ich sei sexy, ich sei gefährlich, und ich habe nie verstanden, was sie damit meinen … bis heute, als ich diesen Mix über die Lautsprecher gehört habe. Du hast mir geholfen, zu verstehen, was die Menschen in mir sehen.‘“

JJPs Regieraum im Ocean Way war berüchtigt dafür, wie hoch sich die Technik dort stapelte – Rack auf Rack vollgepackt mit nahezu esoterischen Geräte, die ihm praktisch endlose Möglichkeiten für die Klanggestaltung gaben. Trotz dieser Wände voller Technik hielt die Focusrite Studio Console immer Schritt und hatte Einfluss auf den Sound: „Ich konnte den Mikrofon-Vorverstärker [in der Focusrite-Konsole] nie schlagen“, sagt er, „und das ist echt schockierend! Für mich ist das Gerät bei der Aufnahme von Akustikgitarren und Schlagzeug unantastbar.“

Green Day — 21st Century Breakdown (2009)

21st Century Breakdown war Green Days zweite Rockoper, die in drei Akte aufgeteilt ist und von Lead-Sänger/Songwriter Billie Joe Armstrong als „Schnappschuss der Ära, in der wir leben“ bezeichnet wurde. Die Platte erreichte weltweit Platz eins und gewann bei den GRAMMY Awards 2009 sogar die Auszeichnung „Best Rock Album“. Die Songs auf dem Album wurden 2006–2007 geschrieben, doch die Aufnahmen begannen erst Anfang 2008. Laut der Reportage von Mix Magazine zum Aufnahmeprozess wurde der Großteil des Albums im Ocean Way Studio B getrackt, anschließend schufen Produzent Butch Vig und Toningenieur Chris Dugan „ziemlich detaillierte Mixes auf Ocean Ways Focusrite Board [in Studio A], bevor sie die Pro Tools Session für den Feinschliff an Master-Mixer Chris Lord-Alge übergaben“. (Mit Ausnahme von „Murder City“ wurde das gesamte Album bei Studio 880, praktisch dem Studio-Zuhause von Green Day in Oakland, Kalifornien, aufgenommen.)

Green Day

Green Day with Jack Joseph Puig (second from left) during a session in 2000. (Photo: David Goggin.)

Paul Anka — Songs Of December (2011)

Paul Anka nahm Songs of December im Ocean Way Studio A und in den Capitol Studios auf. Das Album, das 2011 herauskam, enthält Weihnachtsklassiker wie „Winter Wonderland“ und „White Christmas“. In einem Interview mit ABC Radio sagte Anka: „Auf diesem Album wollte ich mich ganz auf ein schönes, erfreuliches Thema konzentrieren. Ich wollte keinen Schnickschnack und neueste Technik, um die Songs zu überladen.“ Der Klang des Albums ist technisch gesehen karg, jedoch voller bewegender Orchester-Arrangements – eine moderne Neuschöpfung der klassischen Weihnachtslieder vergangener Zeiten. Das Album enthält Gast-Arrangements von David Foster, Johnny Mandel, Patrick Williams und Chris Walden und wurde vom legendären Al Schmitt produziert und gemischt.

 

Anka Schmitt

Pictured beside the Focusrite Console in Ocean Way's Studio A are recording engineer Al Schmitt (seated) and Paul Anka. (Photo: David Goggin.)

Die Focusrite Studio Console hatte großen Einfluss auf das Leben und die Karriere vieler Menschen und gehört zu den absoluten Favoriten jener Ingenieure, Produzenten und Musiker, die sie aus der Nähe erlebt haben. (Sehen Sie sich hier unsere Dokumentation zur Konsole und ihrer Geschichte an.) Obwohl mehrere der ursprünglichen 10 Konsolen heute noch funktionstüchtig sind, stehen die meisten davon in Privatstudios, also kommt man nur noch selten in den Genuss, damit zu arbeiten.

Dank der Zusammenarbeit zwischen Focusrite und dem Software-Hersteller Brainworx kannst du jedoch auch heute den Sound der Focusrite Studio Console in deinen eigenen Projekten erleben. Das originalgetreue Plug-in modelliert präzise sämtliche Signalpfade des ISA 110 und ISA 130 und bringt den ganzen analogen Charakter und die Klangfärbung der Focusrite Studio Console in deine DAW-basierten Produktionen ein. Dank Vier-Band-EQ mit Parameter- und Shelving-Modus, Highpass- und Lowpass-Filtern, Kompressor/Limiter, Gating/Expansion und De-Essing ist sie immer noch ein genauso leistungsfähiges Produktionstool wie früher. Das Plug-in erweitert die Möglichkeiten des Originals sogar noch um Modifikationen wie die stufenlosen THD- und Gain-Regler. Die Tolerance Modelling Technology von Brainworx bietet zudem 72 modellierte Schaltkreise. So kannst du sogar die sanften Variationen im Timbre zwischen verschiedenen Kanälen nachbilden, die man mit der echten Konsole erzielen konnte.